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Praktische Durchführung

Es werden in diesem Kapitel die wichtigsten Arbeitsschritte aufgezeigt. Auf alle Feinheiten kann nicht eingegangen werden. Auch die züchterischen Gesichtspunkte können hier nicht behandelt werden. Erwähnt sei nur, daß der Königin vor der Besamung die Gelegenheit zum Abkoten gegeben wird. Hierzu ist der Flugrahmen vor der Fensterscheibe geeignet. Die Drohnen können am Arbeitsplatz auch in einem kleinen Flugkäfig Zwischenstation machen, dessen Rückseite von einer Lampe warm gehalten wird. Drohnen kann man nicht längere Zeit allein lassen. Für begrenzten Transport werden sie mit Honig gefüttert und müssen es warm haben! Nützliche Hinweise zur Drohnenpflege finden Sie im Untermenü “Weitergehende Infos”.  In einem Merkblatt wird dieses wichtige Thema ausführlich behandelt. Im Begleittext zum Video von Susan Cobey  gibt es auf Seite 23 Hinweise zur Aufbewahrung und zum Spermaversand .

Inzwischen werden im Internet viele Informationsmöglichkeiten geboten. Ein praktischer Einführungskurs ist sehr hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig. Es ist möglich, sich alleine mit den zur Verfügung stehenden Informationsquellen einschließlich Videos in die Methode einzuarbeiten. Auf zwei Schwerpunkte muß man sich besonders gut vorbereiten: 1. Spermaportionen gewinnen und 2. die Besamungskanüle richtig einführen. Wer sich näher mit der Materie beschäftigt wird feststellen, daß alles viel einfacher ist als es auf den ersten Blick erscheint. Mit der Gerätetechnik sollte man sich aber vorher vertraut machen. E-Mail-Anfragen beantworte ich gern.

Drohnen und Bienenköniginnen

Die Bereitstellung geeigneter Drohnen verdient größte Aufmerksamkeit. Wie bei den Belegstellen praktiziert sollten die Drohnen aus mehreren Völkern bekannter Herkünfte stammen, um Inzuchteffekte zu vermeiden. Ihre Pflege und Aufzucht müssen unter optimaler Brutnesttemperatur und Nährstoffversorgung stattfinden. Nur dann bilden sie ausreichend gewinnbares Sperma. Bei einem Drohnenüberschuß leidet die Qualität. Es sollten auch keine unterschiedlichen Altersklassen im Spendervolk vorhanden sein, denn das Bienenvolk dezimiert ältere Drohnen und pflegt dann bevorzugt jüngere.  Die meisten Drohnen erreichen ihre volle Reife erst mit 20 Tagen. Volle Reife heißt, daß die Drohnen bei seitlicher Berührung und leichtem Druck schon reagieren und das Geschlechtsteil ausstülpen, ihr Abdomen verkrampfen und beim weiteren Ausdrücken reines Sperma abgeben, ddas nicht mit Schleim vermischt ist.  Transporte vor der Spermagewinnung wirken sich negativ aus. Zur Besamung bestimmte Königinnen sollten ein Alter von 6-10 Tagen haben, lieber etwas älter als zu jung. Königinnen, die jünger als 5 Tage sind, weisen eine höhere Sterblichkeit auf. Nach dem 14. Tag verschlechtert sich die Spermaaufnahme.
Die Vorbereitungen zur Bereitstellung von Drohnen  und Königinnen müssen rechtzeitig eingeleitet werden. In einem weisellosen Volk werden die Drohnen besser und länger versorgt. Wenn der Drohnenabtrieb im Spätsommer eingesetzt hat, dann muß die Königin aus dem Volk herausgenommen werden. In diesem Falle werden die Drohnen weiterhin gepflegt und stehen für die Spermagewinnung längere Zeit zur Verfügung.

Narkose der Bienenkönigin

Die Besamung der Königin erfolgt unter Narkose. Hierzu wird Kohlensäuregas in den Königinnenhalter eingeleitet. Der Gasstrom ist an der Stellung der Schwebekugeln im CO2-Adapter erkennbar. Bei der Narkose der Königin mit Kohlensäuregas tritt der nützliche Nebeneffekt auf, daß die behandelten Königinnen schneller in Eiablage gehen. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine zusätzliche zweite Narkose von 3 – 5 Minuten, da der Besamungsvorgang in der Regel schneller abläuft und die Narkosezeit während der Besamung allein zur Stimulation nicht ausreicht. Das Kohlensäuregas führt nämlich zu einer Reifebeschleunigung bzw. künstlichen Alterung und kompensiert sozusagen den positiven Einfluß der verhinderten Begattungsflüge.

Die zweite Kohlensäuregasbehandlung kann zu verschiedenen Zeiten stattfinden. Einen Tag vor dem Besamungstermin hat sich bewährt.  Stunden oder unmittelbar vor der Besamung oder einen Tag danach sind auch möglich. Da immer mal ein Mißgeschick mit der Königin passieren kann, ist die vorgezogene Begasung sinnvoller, zumal die Königin bei dieser Gelegenheit schon gekäfigt werden kann.

Die zusätzliche Narkose läßt sich in einer durchsichtigen Plastiktüte oder in einem Glas ausführen, wobei gleich mehrere Königinnen in ihren gekennzeichneten Zusetzkäfigen behandelt werden und dann bis zur Besamung in ihren Käfigen und Völkchen verbleiben können. Die Begasung vor der Besamung ist deshalb schon aus diesem Grund vorteilhafter.

Du beachten ist, daß überlange Narkosezeiten von mehr als 10 Minuten die Lebenserwartung der Königinnen herabsetzen können.

Sperma vom Drohn gewinnen

Die Spermagewinnung stellt von geschlechtsreifen und vitalen Drohnen keine Schwierigkeit dar. Eine Chloroformnarkose, unter der die Drohnen ihr Begattungsorgan ausstülpen, ist nicht mehr üblich. Von reifen Drohnen kann nämlich das Sperma ohne Hilfsmittel von Hand  gewonnen werden. Das geschieht durch Rollen und Drücken der Brust und des Drohnenhinterleibes. Die Anwendung von Gewalt ist überhaupt nicht notwendig. Der Hinterleib wird durch seitliches Zusammendrücken mehrfach leicht angedrückt. Der reife und stimulierfähige Drohn reagiert sofort und stülpt sein Geschlechtsteil mit beiden Hörnchen aus, ohne dabei Zwang anwenden zu müssen. Dabei wird der Hinterleib fühlbar hart. Mit dem Ausstülpen tritt wie bei der natürlichen Paarung der sofortige Tod ein. Lebenswichtige Nervenbahnen zerreißen. Unreife Drohnen, die keine Reaktion zeigen, sind freizulassen. Halbreife Drohen zu verbrauchen macht wenig Sinn und bringt im Ergebnis wenig oder nichts.

Wenn der Drohn die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat, kann mit dem vollständigen Ausdrücken begonnen werden. Es wird nachgefaßt und der Drohn neu positioniert. Der ausgeübte Druck muß sich jetzt speziell auf die Basis, wo sich das Sperma befindet, ausgeübt werden. Daumen und Zeigefinger verlagern den Druck nach vorn und üben gezielt Druck auf diese Zone aus. Zuletzt ganz langsam vorgehen und sehen, daß nach Möglichkeit die gewünschte kleine Spermalkugel hervorquillt. Der herausschnellende Penis darf nicht seitlich die Finger berühren, sondern im Spalt der beiden Finger Platz finden.  Der Drohn darf deshalb nicht schief liegen.

Drohnensperma gewinnen

Sperma vom Drohn gewinnen

Reifes Drohnensperma ist gelb-bräunlich gefärbt, vollkommen durchstrukturiert, weist eine deutliche Marmorierung auf und ist ohne Verklumpungen durchweg flüssig. Das kann man schon mit bloßem Auge erkennen. Die Spermagewinnung erfolgt unter Mikroskopbetrachtung. Eine 10fache Vergrößerung ist gut geeignet. Die Betrachtung muß während des Spermaaufsaugens mit beiden Augen erfolgen. Das ist nur mit dem Stereomikroskop möglich. Die Schwierigkeit besteht darin, halbreifes Sperma zu erkennen und gar nicht erst versuchen es mit der Spritze aufzusaugen. Mitunter befindet es sich oberflächlich nur an bestimmten Stellen. Von der Farbe her ist es gut zu erkennen. Wird schleimiges Sperma angesaugt,  so verstopft sehr schnell die Besamungskanüle. Wenn die Drohnenaufzucht nicht richtig vorbereitet wurde, dann sind fast alle Drohnen mehr oder weniger unbrauchbar. Besonders Anfänger haben mit der Spermaaufnahme so ihr Problem. Es ist auch darauf zu achten, daß keine Luftzwischenräume in der Besamungskanüle entstehen. Weitere Hinweise finden Sie weiter unten im Abschnitt “Sperma aufziehen”.

Spritzenfüllung mit Salzlösung

Verwendung findet in der Regel die SCHLEY-Kolbenspritze. Es muß allerdings genau nach der Bedienungsanleitung vorgegangen werden. Die alte Membranspritze wird wegen ihrer geringen Füllmenge und ihrer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit von mir nicht mehr empfohlen, obwohl sie einfach zu handhaben ist. Diese Spritze hat keinen Spritzenzylinder und keinen Kolben. Stattdessen drückt hier beim Drehen des Bedienungsknopfes ein Stift auf eine Gummischeibe. Die dadurch hervorgerufene Veränderung des Innenendruckes wird auf die Besamungskanüle übertragen. Die Abdichtung der Besamungskanüle erfolgt hier ebenso mit einem Stück Quetschdichtung der gleichen Abmessung.

In Betracht kommt noch die Spritze nach dem HARBO-System, die an die Geräte paßt. Die Spritze nach WINKLER mit einem stärkerem Durchmesser von 10 mm  anstatt 8 erfordert einen abgeänderten Spritzenhalter. Die Umrüstung ist möglich. Hersteller der Winkler-Spritze ist Jürgen Brauße.

Der keimfreie Spritzenzylinder der SCHLEY-Spritze wird mit steriler spermaverträglicher Salzlösung gefüllt, die auch als Verdünnerlösung bezeichnet wird. Hierfür ist  isotonische (physiologische) Kochsalzlösung gut geeignet (= 9 g Kochsalz pro Liter destilliertes Wasser, in Glasampullen oder Flaschen in Apotheken steril erhältlich). Man kann sich eine solche isotonische Lösung auch selbst anfertigen: 100 ml abgekochtes destilliertes Wasser, 1,0 g Kochsalz und zur Sicherheit noch 0,25 g Breitband-Antibiotikumzusatz. Geeignet ist auch RINGER-Lösung, die noch ausgewogener als reine isotonische Kochsalzlösung zusammengesetzt ist. Gut bewährt haben sich auch Verdünner aus der Schweinebesamung, die als Pulver zum Verkauf kommen (mit begrenzter Haltbarkeit, in kleinen Mengen nicht so leicht zu bekommen).
Wenn die Lösungen mehrere Tage aufbewahrt wurden ist es sinnvoll, zur Sicherheit ein Einweg-Bakterienfilter (0,2 µm) vorzuschalten. Die Vorbereitung der Spritze und ihre einwandfreie Funktion ist sehr wichtig. Hierzu gibt es auch eine spezielle Bedienungsanleitung. Die SCHLEY-Besamunsspritze wird am besten mit Hilfer einer Einwegspritze gefüllt. Erst wenn der Spritzenzylinder blasenfrei gefüllt worden ist, wird das Metallgehäuse aufgeschoben und die Spritze an beiden Enden verschraubt. Im folgenden Video wird die Handhabung gezeigt, siehe an der Stelle 1:40 min: “Künstliche Besamung“.

Das Sperma gelangt nur in die Besamungskanüle, nicht in den Spritzenzylinder. Die Salzlösung bzw. Verdünnerlösung in der Spritze hat nur die Aufgabe, als Hydraulik-Medium zu fungieren! Die übliche Bezeichnung “Spermaverdünner” ist eigentlich irreführend, denn das Bienensperma wird in der üblichen Praxis nicht verdünnt. Es wird mit unverdünntem Sperma gearbeitet, das sich auch einige Tage ohne weiteres aufbewahren läßt (langsame Abkühlung, 12-14 Grad C in Dunkelheit soll optimal sein). An der Tiefgefrierkonservierung in flüssigem Stickstoff wird gearbeitet. Es liegen schon vielversprechende Ergebnisse vor.

Für die sogenannte Spermamischtechnik, in der aus züchterischen Gründen die  Spermaportionen der einzelnen Drohnen vermischt werden (gleiche Vaterseite für alle besamten Königinnen, Vermeidung zu enger Verwandschaft), kamen bisher ganz spezielle Verdünner mit komplizierter Zusammensetzung und besonderen Zusätzen zur Anwendung. Von Jürgen Brauße (siehe Link weiter oben) wurde inzwischen eine neue Methode entwickelt. Das Sperma wird 10% verdünnt und in einer großvolumigen Containerspritze (System WINKLER) gesammelt und in einer speziellen Vorrichtung besonders schonend verrührt. Es braucht nicht mehr mit hoher Umdrehungszahl zentrifugiert zu werden. Wer sich mit dem Thema  Spermaverdünnung und darüber hinaus mit der Biologie des Spermas intensiver beschäftigen möchte, dem sei auch die Doktorarbeit von Wiebke Kainer empfohlen.

Besamungskanüle an Spritze anbringen

Die Quetschdichtung von ca. 5-8 mm Länge wird schon vor der Sterilisation auf die stumpfe Seite der Besamungskanüle aufgeschoben. Sie dichtet den Übergang Besamungskanüle zum Spritzenzylinder ab. Es handelt sich um ein kurzes Siliconschlauchstück (außen 3 mm, innen 1 mm), das selbst zugeschnitten wird. Wichtig ist, daß diese Quetschdichtung lang genug ist und gut abdichtet, denn sonst gelangt Luft in das System (je kürzer der Spritzenzylinder um so länger die Quetschdichtung!). Nach Füllung des Spritzenzylinders mit Hilfe einer Einwegspritze wird die Besamungskanüle mit der Quetschdichtung am Spritzengehäuse befestigt. Man schiebt die Quetschdichtung so weit auf das Röhrchen, daß etwa 1 mm vom Glasröhrchen überstehen. Bei scharfer Kante sollte der Außenand auf feinem Schleifpapier gerieben werden.Wenn die Dichtung innen etwas angefeuchtet wird, geht das Aufschieben leichter. Die Glas-Besamungskanüle sehr kurz anfassen, sonst zerbricht das dünne Glasröhrchen! Die Besamungskanüle wird also durch die Spritzenmuffe gesteckt und diese am Spritzengehäuse angeschraubt. Die Funktionstüchtigkeit des hydraulischen Systems der Spritze läßt sich nach der Montage leicht kontrollieren. Bei gefüllter Spritze und befestigter Besamungskanüle muß die Flüssigkeitssäule in der ausgezogenen Glasspitze in jeder Stellung anzuhalten sein und auf jede Bewegung des Drehknopfes exakt reagieren und nicht “springen” oder nachlaufen. Die einwandfreie Beschaffenheit der Kanülenmündung wird bei dieser Gelegenheit auch überprüft, denn eine angesplitterte Öffnung ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Zur Beachtung: alle Teile, die mit Sperma im engeren und weiteren Sinne in Berührung kommen, müssen sauber und keimfrei sein. Zur Sterilisation wird ein Haushalts-Dampfkochtopf empfohlen (15-20 Minuten auf hoher Stufe). Zu behandeln sind die Besamungskanülen mit schon aufgeschobener Quetschdichtung, die Gewindespindel mit Kolben sowie der Spritzenzylinder, bei dieser Gelegenheit auch die Holzzahnstocher mit fest umwickelter Watte. Einwegspritzen mit Gummikolben vertragen auch die Behandlung im Dampfkochtopf. Acrylglasteile (z.B. Einlauf- und Halteröhrchen) sind jedoch empfindlicher. Sie werden nur gewaschen. Sie dürfen auch nicht mit Alkohol oder Lösungsmitteln in Berührung kommen. Die Sterilisierung im Backofen bei trockener Hitze ist völlig ungeeignet. Diese Prozedur würde der Spritzenzylinder und andere Teile nicht überstehen.

Sperma aufziehen

Die als Verdünnerlösung bezeichnete Salzlösung wird zuerst bis zur äußersten Spitze vorgedrückt. Vor Beginn der ersten Spermaaufnahme wird dann die Lösung in der Glaskanüle aus dem spitz ausgezogenen Teil bis zum normalen Schaftdurchmesser wieder etwas hochgezogen. Zwischen Lösung und dem aufzunehmenden Sperma wird ein kleiner Luftzwischenraum von 2 – 3 mm belassen, damit das Sperma nicht unnötig verdünnt wird. Es soll eine in sich zusammenhängende konzentrierte Spermasäule entstehen, die nur in der Glaskanüle aufgebaut wird.

Optik und Licht werden so eingestellt, daß die Kanülenmündung für beide Augen optimal im Bild ist. Zu berücksichtigen ist, daß die intensive helle Beleuchtung das Sperma schädigen kann. Deshalb ist der Lichtkegel entsprechend einzustellen und die Spermasäule nach Möglichkeit vor zu intensiver und zu langer Belichtung zu schützen. Ein einseitig angehefteter Klebestreifen kann hier Abhilfe schaffen. Unnötig lange Belichtungen – z.B. während Arbeitspausen – sind unbedingt zu vermeiden.

Der Drohn wird mit dem ausgestülpten Penis in der linken Hand gehalten und mit seinem Sperma in die Nähe der Kanülenmündung gebracht. Diese Höheneinstellung der Spritze wird dann nicht mehr verändert. Von nun ab erfolgt die weitere Handhabung unter optischer Kontrolle. Nur der Drohn wird bewegt unnd an die Kanülenmündungn herangeführt. Während der Bedienung der Spritze wird der Ellenbogen abgestützt. Die 1. Portion muß reichhaltig sein, sonst findet man keinen Anfang und benetzt nur die Glasinnenwand (vor das Sperma ganz wenig Verdünnerlösung in den dünn ausgezogenen Teile der Kanüle zu geben erleichtert den Anfang. Angesichts der geringen Menge ist der negative Einfluß zu vernachlässigen). Vor jeder neuen Aufnahme wird das bereits gesammelte und etwas hochgezogene Sperma wieder an die äußerste Spitze vorgeschoben, sonst bilden sich sehr schnell Luftblasen und wir erhalten keine zusammenhängende Spermasäule. Luftblasen wirken sich federnd aus. Die Spritze reagiert dann nicht mehr so gut.

In die Spermakugel wird nicht hineingestochen. Reifes Sperma ist durchweg flüssig und läßt sich von der Oberfläche leicht absaugen. Die Spitze der Besamungskanüle berührt nur die Spermaoberfläche, nach Kontakt und mit Beginn der Aufnahme wird die Spritze sogar etwas zurückgenommen. Die Adhäsion sorgt dafür, daß die Verbindung zur Kanülenmündung nicht abreißt und das Sperma bei dem vorhandenen Unterdruck in der Glaskanüle wie von selbst hineinfließt. Das Hereinfließen in die Kanüle läßt sich gut beobachten. Hierfür ist kein besonderer starker Sog der Spritze erforderlich. Beim Ansaugen von Schleimanteilen wird der Fluß sofort unterbrochen. Es wird versucht, den Schleimpfropf wieder heraus zu bekommen. Bei Pausen ist das aufgenommene Sperma immer ein paar Millimeter hochzuziehen, denn es trocknet an der Kanülenmündung in kurzer Zeit an und verstopft die Öffnung. Wenn das Sperma immer mal hin und her bewegt wird, dann wird das an den Innenwänden anhaftende Sperma gesammelt und in die Spermasäule eingegliedert.

Wichtig: Der Arbeitsplatz ist sauber zu halten, und die Hände werden wiederholt gewaschen!


Die Spermagewinnung ist schwieriger als die Spermainjektion. Zum einen muß schnell entschieden werden, ob sich die Aufnahme überhaupt lohnt und zum anderen verstopft die Kanülenmündung nach kurzer Zeit und es ist oft schwierig, sie wieder frei zu bekommen. Das Sperma darf nicht unten an der Mündung stehen bleiben, weil es wie gesagt sehr schnell antrocknet und sich nicht mehr bewegen läßt. Hier hilft das mit steriler Verdünnerlösung benetzte Wattestäbchen. Die Kanülenmündung muß sauber bleiben und wird gegebenenfalls während der Spermaaufnahme damit regelrecht gewaschen. Die Spermasäule wird dabei hochgezogen. Man kann diesen Vorgang je nach Bedarf wiederholen.
Zwischendurch wird die Spermasäule immer mal bewegt. Damit die Wattestäbchen griffbereit sind, wird ein Holzklötzchen als Ablage benutzt. Auf die schwarze Seite kommen die schon benutzten.

Vor jeder weiteren Spermaaufnahme wird jedes mal das bereits gesammelte Sperma in der Glaskanüle durch Drehen am Drehknopf der Spritze wieder nach vorn geschoben, so daß in der aufzubauenden Spermasäule keine Lufteinschlüsse entstehen. Insgesamt werden 8 µl (8 mm3) Sperma in die Glaskanüle aufgezogen (nimmt 10 mm Länge in der Besamungskanüle oberhalb der ausgezogenen Spitze in Anspruch) und wird mit Hilfe eines Meßstreifens oder der Spindelumdrehung kontrolliert. Zur Sicherheit gibt man noch 2 mm dazu. Diese Menge hat sich in der Praxis bei einmaliger Besamung als ausreichend für eine Königin erwiesen. Man kann auch zur Orientierung Streifen aus Tesafilm (oder noch besser das farbige transparente PVC-Klebeband von Coroplast) mit der spitzen Pinzette an die Kanüle anheften. Der schwarze Ring an der Glaskanüle hat keine Bedeutung. Er stammt noch von der ursprünglichen Markierung der Einwegpipette 50 µl mit grüner Kennzeichnung, aus der die Besamungskanülen Art.-Nr. 5.00 und 5.01 hergestellt werden.  Für eine Spermaportion sind 5 Minuten Zeitaufwand einzuplanen. Der eigentliche Besamungsvorgang läuft meistens viel schneller ab.

Bienenkönigin in das Halteröhrchen

Zuvor wird der Königin die Gelegenheit zum Abkoten gegeben (an der Fensterscheibe, im Flugrahmen oder Flugkäfig). Zunächst kommt die Königin in das zylindrische Einlaufröhrchen. Man ergreift die Königin am besten in Brusthöhe mit Daumen und Zeigefinger und dirigiert sie in das Einlaufröhrchen. Am Ende des Einlaufröhrchens befindet sich nur eine kleine Öffnung. Wenn die Königin spürt, daß sie nicht weiter kann, will sie auf jeden Fall aus dieser mißlichen Lage heraus, kriecht rückwärts zurück und gelangt auf diese Weise in das vorgehaltene Halteröhrchen, das auf den Königinnenhalter paßt. Durch Hineinpusten läßt sich dieser Vorgang beschleunigen.

Am Halteröhrchen befinden sich oben kleine Entlüftungsbohrungen. Diese sollen verhindern, daß die Königin keinen hohen Kohlensäuregasdruck ausgesetzt ist. Deshalb ist auch nicht erforderlich, daß das Röhrchen ganz dicht abschließt.

Königin an den Königinnenhalter

Das Halteröhrchen mit Königin wird sogleich auf den Königinnenhalter geschoben. Falls die Königin versucht rückwärts aus dem Röhrchen herauszukriechen, so verhindert man das, indem man den Zeigefinger draufhält und abwartet, bis die Narkosewirkung voll einsetzt. Befindet sich die Königin zu tief im Röhrchen, dann wird das Halteröhrchen weiter nach unten bewegt. Wenn das nicht funktioniert, dann wird es wieder abgezogen, in den Mund genommen und die Königin in die gewünschte Position hochgepustet.  3-4 Hinterleibsringe sollen herausragen.
Anfänglich bewegt die Königin noch stark den Hinterleib, wird dann aber durch das Kohlensäuregas zusehends ruhiger und schließlich bewegungslos.
Sollte die Königin im Halteröhrchen während der Narkose unerwartet abkoten, so ist der Vorgang abzubrechen.  Am darauf folgenden Tag wird die Prozedur wiederholt. Um das zu vermeiden,  ist ihr vorher die Gelegenheit zum Abkoten zu geben.

Stachelkammer der Königin öffnen

Vor Beginn der Manipulationen sind die Häkchengriffe wie auch der Stachelgreifer im Leerlauf zu bewegen, so daß sie sich sanft und ruckfrei bewegen lassen. Die Lager mit den O-Ringen sind gegebenenfalls zu fetten. Das gilt auch für den O-Ring über der Kugellagerung beim Modell 1.04.

Die gespreizten letzten Hinterleibsringe legen einen Hohlraum frei, der im folgenden als Stachelkammer bezeichnet wird. Die Öffnung des Hinterleibes bzw. der Stachelkammer und die Ausrichtung des auskleidenden Gewebes einschließlich des Stachelorgans mit Hilfe von speziellen Häkchen oder Greifinstrumenten in die richtige Richtung stellen eine wichtige Voraussetzung für die problemlose Einführung der Besamungskanüle dar. Wie bei der Spermagewinnung ist die Manipulation nur unter dem Stereomikroskop möglich. Üblich ist eine 10-fache Vergrößerung. Bei stärkerer Vergrößerung wird die Tiefenschärfe verringert, und die Übersicht wird erschwert. Die Aufgabe besteht darin, den Stachel zu ergreifen und nach rechts zu ziehen und danach anzuheben. Alles symetrisch in Linie der Häkchenhalter. Damit ist die Vaginalöffnung freigelegt.

Das Röhrchen ist so zu drehen, daß die Rückenseite der Königin und somit auch die Stachelregion sich vom Besamer aus betrachtet rechts befinden und die Stachelkammer in dieser Position mit Hilfe der Häkchen gespreizt wird. Diese Vorgehensweise ist international üblich, obwohl die natürliche Begattung eher umgekehrt abläuft und auch andere Positionen möglich sind. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, daß unter der erzeugten größeren Gewebespannung das korrekte Eindringen der Kanüle besser zu verfolgen ist, wenn sich der Rücken rechts befindet.

Bei geschlossener Stachelkammer wird man bemüht sein, zuerst das linke Häkchen einzuhängen. Die letzte Bauchschuppe weist am äußersten Ende eine Einkerbung auf, so daß man hier schon einen idealen Ansatzpunkt vorfindet. Danach kann man das linke Häkchen auch quer stellen und den Stachel in eine günstige Position bringen, um ihn mit dem Lochhaken oder dem Stachelgreifer von der rechten Seite zu fassen. Der Stachel muß allein gegriffen werden. In der Regel wird  hierzu die dem Gerät beigefügte Handsonde zu Hilfe genommen. Sehr hilfreich kann auch die feinfühlige spitze Pinzette sein. Am Stachel befinden sich Hautanhänge, die weggeschoben werden müssen. Egal wie vorgegangen wird, der Stachel muß auf jeden Fall freiliegen, um ihn greifen zu können! Das ist nicht immer ganz einfach. Oft streckt die Königin zu Beginn der Narkose ihren Stachel von sich aus weit vor, so daß er gleich gefaßt werden kann. Darauf sollte man vorbereitet sein, denn dann ist alles viel einfacher.

Die Lochhakenmethode wurde von mir entwickelt. Sie führte im Vergleich zum alten Löffelhaken zu einer wesentlichen Erleichterung. Verspannungen werden vermieden. Inzwischen wird dieses Prinzip weltweit angewendet. Wenn alles stimmt, ist es eine Angelegenheit von nur einigen Sekunden. Beim Anfänger wird länger probiert und die Lochhakenöffnung wird schleimig und greift nicht mehr richtig. Die Lochöffnung sollte also sauber und trocken sein. Bei Benutzung des Stachelgreifers ist diese Prozedur viel einfacher. Man erfaßt also den Stachelschaft ohne die anliegenden Hautlappen und zieht diesen nach oben hin weg. Hier kann nichts wegrutschen, und die Geschlechtsöffnung ist zugänglich. Die Hand kann auch mal losgelassen werden. Der Klemmdruck läßt sich einstellen. Die Stachelkammer bzw. der Stachelaparat dürfen nicht eingedrückt oder gedreht werden. Bei richtiger Vorbereitung zeigt sich ein symetrisches Bild. Die Kugelführungen sollten nicht zu locker eingestellt werden. Wenn nämlich nicht aufgepaßt wird und der Stachelgreifer unbeabsichtigt angestoßen wird, dann reißt der  Stachel ab und die Königin ist verloren.

Wer mit der mitgelieferten Handsonde nicht so gut zurecht kommt, sollte es mit der spitzen Uhrmacherpinzette versuchen (gerade Ausführung, Spitze 0,1 mm). Es bieten sich also mehrere Alternativen an: Ventralhaken und Ventralgreifer (auch zum Ergreifen des Stachels geeignet) links auf der Bauchseite zum Aufhalten der letzten Bauchschuppe und Lochhaken, Stachelgreifer oder Pinzette auf der rechten Rückenseite. Dazu die Handsonde oder Pinzette zur Unterstützung. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Um den Hinterleib der Königin nicht zu überdehnen, muß von der linken Seite her nachgeschoben werden. Der Hinterleib zeigt also in Richtung Besamungskanüle! Es wird immer der Fehler gemacht, daß der Hinterleib nicht in Richtung Besamungskanüle zeigt, sondern nach links gerichtet ist (siehe nachstehende Abbildung).

Bienenkönigin

Vorgehensweise beim Öffnen der Stachelkammer
Wichtig ist das Nachschieben mit dem linken Haken!
Der Hinterleib muß in Richtung Besamungskanüle zeigen, sonst stößt man mit der Kanüle an den Haken.
Gearbeitet wird hier noch mit dem alten SCHLEY-Lochhaken (mit Nachfolgehaken oder dem Stachelgreifer wird genauso verfahren).

Zu beachten ist wie schon gesagt, daß der Hinterleib der Königin genügend aus dem Röhrchen herausragt (3-4 Hinterleibsringe) und nicht eingeengt wird. Das ist ein wichtiger Punkt, der von Anfängern zu wenig beachtet wird. Das Gewebe ist so weich und dehnbar, daß so schnell keine Verletzungsgefahr droht. Weiter unten können Sie Videos aufrufen und sich alles im Film ansehen.

Blick in die geöffnete Stachelkammer der Bienenkönigin
Der Stachel wird mit dem Lochhaken (hier im Bild neues 1.21 Modell) oder dem Stachelgreifer weg- und hochgezogen. Die Stachelspitze befindet sich über den äußeren Rand der gespreizten Stachelkammer! Links wird der Ventralhaken als Gegenpol eingehängt (oder die Ventralklemme 1.06 benutzt). Der Pfeil zeigt auf die Vaginalöffnung in Gestalt einer faltigen Vertiefung, nicht immer leicht zu erkennen.

Die richtig geöffnete Stachelkammer bietet dem Betrachter unter der Vergrößerung ein Bild runzeliger Haut mit kleinen Hautfalten. Verspannungen sind dann auf dem Grund nicht zu beobachten. Das Gewebe zeigt sich locker. Die Geschlechtsöffnung liegt genau auf der Verbindungslinie zwischen beiden Häkchen. Wenn die Stachelregion mit Hilfe des Lochhakens oder Stachgreifers angehoben wird, ist die Vaginalöffnung aber nicht zu übersehen. Sie ist aber nicht so deutlich erkennbar wie oben in der Zeichnung. Für den Anfänger ist es sehr wichtig, diesen Arbeitsgang vorschriftsmäßig auszuführen. Bei Verwendung des Stachelgreifers darf dieser auch nicht so hart eingestellt werden, damit der Stachel nicht zerquetscht oder bei einer unbeabsichtigten Bewegung abgerissen wird.

Drohnensperma einführen

Wird die Stachelregion während der Öffnung der Stachelkammer also angehoben und in Richtung Spritzenblock hochgezogen, so verschwinden auch störende Falten und stellen für die Besamung keine Gefahr mehr dar.

Beim Heranführen der spermagefüllten Besamungskanüle zielt die Kanülenmündung in die Scheidenöffnung, wobei man sich zu Beginn so weit wie möglich rechts orientiert. Triebknopf  und die Stellschraube für die Neigungseinstellung werden gleichzeitig bedient, denn bei der Linksbewegung der Besamungskanüle wird diese konstruktionsbedingt automatisch etwas angehoben. Es wird deshalb etwas gegengesteuert. Königinnenhalter und Spritze sind deshalb möglichst steil einzustellen, wobei die Spritze zusätzlich etwas geneigt werden darf.

Die Kanüle wird ca. 0,5 mm einführt  und dann um etwa 0,3 mm (Spitzendurchmesser) nach links bewegt, praktisch eine Zickzack-Bewegung. In dieser Position kann probehalber getestet werden. In der richtigen Position läßt sich nämlich die Glaskanüle problemlos nochmals 0,5 mm in den Geschlechtsweg ohne merklichen Widerstand einführen. Insgesamt darf die Besamungskanüle 1,5 mm eintauchen. Wenn das nicht geht – störende Hautfalten oder ungeeignete Besamungskanülen können der Grund sein -, so wird der Vorgang wiederholt und ganz von vorn wieder angefangen.

Wichtig ist  die optimale Beschaffenheit der polierten Kanülenmündung. Sie darf nicht scharfkantig oder zu dünnwandig sein. Der Außendurchmesser beträgt vorn 0,25 – 0,30 mm.

Ist die richtige Stelle gefunden, wird das Sperma in einer Tiefe von 1 mm eingespritzt (aber nicht tiefer, was zu Verletzungen führen wird). Auf keinen Fall darf das Sperma schon zu Beginn der Spermaeingabe aus der Scheidenöffnung hervorquellen. In diesem Fall war das Einführen der Kanüle mißlungen!

Es sei erwähnt, daß der oben geschilderte Vorgang des Stachelgreifens sich auch mit einer feinfühligen spitzen Pinzette freihändig ausführen läßt. Das erfordert aber eine sehr ruhige Hand und besonderes Geschick. Während der Spermainjektion muß der Stachel bei dieser Methode von Hand festgehalten werden. Diese Vorgehensweise wird als “flexible Methode” propagiert.  Die eingesparten Teile fallen bei hochwertig verarbeiteten Instrumenten angesichts des recht hohen Aufwandes aber nicht so stark ins Gewicht. Die teuersten Komponenten bleiben unverzichtbar. Einige Anfänger aus meinen Kursen hatten sogar den Wunsch, zusätzlich ein drittes Kugelgelenk frontal zu bedienen, um die Stachelkammer auch von der rechten Seite her zu fixieren und sich ganz auf den Stachel und der Einführung der Kanüle konzentrieren zu können.

Nach der Besamung der Bienenkönigin

-  Nicht zu vergessen ist die Demontage der Besamungskanüle. Sie wird sofort in eine Petrischale mit Seifenlösung gelegt, denn die Spermareste trocknen sonst an und sind später nicht so leicht zu entfernen. Für diesen Zweck gibt es auch das spezielle eiweißlösende Reinigungspulver 6.02, normales Geschirrspülmittel aus der Küche ist auch geeignet.

Die besamte Königin kommt nach dem Aufwachen zurück in ihr Völkchen. Wer ganz sicher gehen will, hält sie anfangs noch unter Verschluß mit etwas Futterteig oder wird sie erst freilassen, wenn ansitzende Bienen Kontakt suchen und sterzeln.

Möglich ist aber auch das direkte Zusetzen in noch völlig betäubten Zustand. Wenn sie bereits aufwacht und sich bewegt, wird sie in einen Becher gelegt und mit Kohlensäuregas nachbehandelt. Die Königin kann dabei auf einen Papierstreifen gebettet werden, der oben auf die Rähmchenleisten in Bienennähe gelegt wird. Sie kann so nicht auf den Boden des Kästchens fallen. Diese schnelle Zusetzmethode aus der Lohnbesamung hat sich bewährt, wenn keine längeren Pausen entstehen und die Bienengemeinschaft 100%ig auf die junge Königin eingestimmt ist.

Das Füllen der Samenblase ist das Ergebnis aktiver Mitwirkung seitens der Königin wie auch passiver Vorgänge, was länger als einen Tag in Anspruch nimmt. Da die Spermieneinwanderung in die Samenblase stark von Umgebungsbedingungen und allgemeiner Fitness beeinflußt wird ist es wichtig, daß die Bienenkönigin nach der Besamung nicht verkühlt und nur kurze Zeit eingesperrt bleibt und danach immer Kontakt zu Pflegebienen hat. Das Beste ist, wenn sie sich in ihrer Bienengemeinschaft frei bewegen kann. Wenn sie mit wenigen Begleitbienen eingesperrt bleibt, haben die Bienen keine Möglichkeit, ihre Königin intensiv in Pflege zu nehmen. Verklebte und Verhärtete Spermareste in der Vaginalöffnung können zu Problemen führen. Auf keinen Fall dürfen die besamten Königinnen längere Zeit sich selbst überlassen bleiben. Nur in ihrer funktionsfähigen Bienengemeinschaft werden sie sich wohl fühlen und entsprechend gut entwickeln können! In dieser Hinsicht sind sie anspruchsvoller als natürlich begattete Königinnen.

Es soll vorkommen, daß besamte Königinnen noch Begattungsflüge unternehmen wollen. Deshalb bleibt das Absperrgitter vor dem Flugloch. Die besamten Königinnen sind auch so lange in ihrem angestammten Völkchen zu belassen, bis ihre eigene Arbeiterinnenbrut ausschlüpft. Erst danach sind sie in einen Kunstschwarm oder Ableger fachgerecht einzuweiseln. Hierbei ist mit größter Behutsamkeit und Sachkenntnis vorzugehen. In Ertragsvölker kommen instrumentell besamte Königinnen erst nach ihrem 3. Brutsatz. Königin gleich nach der  Besamung in ein neues fremdes Völkchen einzuweiseln ist mit großem Risiko verbunden und kann nicht empfohlen werden.

Die technische Durchführung der Besamung von Bienenköniginnen ist kein Problem mehr! Erwartet wird, daß die künstlich besamten den natürlich begatteten Königinnen hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit nicht nachstehen. Bei fachgerechter Handhabung und natürlichem Umfeld ist das nachweislich der Fall. Die instrumentelle Besamung bietet große Vorteile!

Zusammenfassung

  1. Gerätschaft aufgebaut und überprüft, sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen und vorangegangene Begasung der Königin ausgeführt, Spritze funktionsfähig.
  2. Sperma in Kanüle aufziehen.
  3. Königin ruhig stellen, Stachelkammer öffnen und Besamung durchführen (Die Besamung kann auch am darauf folgenden Tag ausgeführt werden).
  4. Königin schnell ins Völkchen zurückbringen und bis zum Schlüpfen ihrer eigenen Brut darin belassen. Absperrgitter nicht entfernen. Arbeitsplatz aufräumen und Spritze bzw. Besamungskanüle reinigen.
  5. Die am häufigsten beobachteten Fehler beim Anfänger: Königin sitzt zu tief oder befindet sich in Schieflage, ihr Hinterleib wird zusammengedrückt, die Stachelkammer ist nicht weit genug gespreizt und zeigt nicht in Richtung Besamungskanüle. Der Dorsalhaken (Lochhaken oder Stachelgreifer) befindet sich nicht über dem Rand der Stachelkammer.

Videoaufzeichnungen zur Unterstützung

Sperma gewinnen” und “Einführung der Besamungskanüle” stellen zwei Schwerpunkte dar. Diese Videos sollen meine Ausführungen begleiten. Unser alter Videofilm vom Institut Wiss. Film ist in gekürzter Fassung unter folgender Adresse abrufbar: “Künstliche Besamung” und wurde auch in russischer Fassung bearbeitet und ins Netz gestellt: “IWF-Film Besamung“. Gearbeitet wurde mit dem alten Modell 1.01 (Vorgänger von 1.02, nicht identisch mit der derzeitigen Art.-Nr. 1.01), das ein breiteres Fußgestell hatte. Diese Filmaufnahmeen sind schon älteren Datums. Hier kam noch die Waschflasche zur CO2-Kontrolle zum Einsatz. Das Kohlensäuregas wird durch Wasser geleitet und so der Gasstrom beobachet. Mein Lochhaken wird jetzt aus einer speziellen Stahlkanüle hergestellt und nicht mehr aus Neusilberdraht. In diesem Film wird auch die sogenannte Spermamischtechnik demonstriert. Die gezeigte Methode ist in der gezeigten Form für die imkerliche Praxis zu aufwendig. Die verwendeten Hilfsmittel und Pufferlösungen erfordern spezielle Laboreinrichtungen (siehe weiter oben Abschnitt “Spritzenfüllung”). Inzwischen wurde die Mischtechnik von Jürgen Brauße erfolgreich weiterentwickelt.

Im englischsprachigen Teil dieser Webseite sind an gleicher Stelle auch drei Videos von Susan Cobey abzurufen. Susan arbeitet in den ersten beiden Filmen mit dem Vorgängermodell von 1.02 und meinem alten Lochhaken. Im dritten Video (Artificial Insemination of Queen Bees) ist das jetzige Model 1.02 mit dem Stachelgreifer zu sehen.

 

 

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