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Praktische Durchführung

Es werden in diesem Kapitel die wichtigsten Arbeitsschritte aufgezeigt. Auf alle Feinheiten kann nicht eingegangen werden. Auch die züchterischen Gesichtspunkte können hier nicht behandelt werden. Erwähnt sei nur, daß der Königin vor der Besamung die Gelegenheit zum Abkoten gegeben wird. Hierzu ist der Flugrahmen vor der Fensterscheibe geeignet. Die Drohnen können am Arbeitsplatz auch in einem kleinen Flugkäfig Zwischenstation machen, dessen Rückseite von einer Lampe warm gehalten wird. Drohnen kann man nicht längere Zeit allein lassen. Sie müssen dann mit Honig gefüttert werden! Nützliche Hinweise finden Sie auch im Untermenü “Weitergehende Infos” und zwar im Begleittext zum Video von Susan Cobey.  Zum Beispiel wird hier auf Seite 23  kurz die Aufbewahrung und der Spermaversand angesprochen.

Inzwischen gibt es im Internet viele Informationsmöglichkeiten. Ein praktischer Einführungskurs ist sehr hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig. Es ist möglich, sich alleine mit den zur Verfügung stehenden Informationsquellen einschließlich Videos in die Methode einzuarbeiten. E-Mail-Anfragen beantworte ich gern.

Drohnen und Bienenköniginnen

Die Bereitstellung geeigneter Drohnen verdient größte Aufmerksamkeit. Wie bei den Belegstellen praktiziert sollten sie ebenso aus mehreren Völkern bekannter Herkünfte stammen. Ihre Pflege und Aufzucht müssen unter optimaler Brutnesttemperatur und Nährstoffversorgung stattfinden. Nur dann bilden sie ausreichend gewinnbares Sperma. Als Mindestalter gelten 16 Tage! Die meisten Drohnen erreichen ihre volle Reife erst mit 20 Tagen.  Zur Besamung bestimmte Königinnen sollten ein Alter von 6-9 Tagen haben. Königinnen, die jünger als 4 Tage sind, weisen eine höhere Sterblichkeit auf. Nach dem 14. Tag verschlechtert sich die Spermaaufnahme.
Die Vorbereitungen zur Bereitstellung von geeigneten Drohnen und Königinnen müssen rechtzeitig eingeleitet werden. Wenn der Drohnenabtrieb schon eingesetzt hat, dann sollte die Königin aus dem Volk herausgenommen werden. In diesem Falle werden die Drohnen weiterhin im Volk gepflegt und stehen für die Spermagewinnung länger zur Verfügung.

Narkose der Bienenkönigin

Die Besamung der Königin erfolgt unter Narkose. Hierzu wird Kohlensäuregas in den Königinnenhalter eingeleitet. Der Gasstrom ist an der Stellung der Schwebekugeln im CO2-Adapter erkennbar. Bei der Narkose der Königin mit Kohlensäuregas tritt der nützliche Nebeneffekt auf, daß die behandelten Königinnen schneller in Eiablage gehen. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine zusätzliche zweite Narkose von 3 – 5 Minuten, da der Besamungsvorgang in der Regel zu schnell abläuft und die Narkosezeit während der Besamung allein zur Stimulation nicht ausreicht. Das Kohlensäuregas führt nämlich zu einer Reifebeschleunigung bzw. künstlichen Alterung und kompensiert sozusagen den positiven Einfluß der verhinderten Begattungsflüge.

Die zweite Kohlensäuregasbehandlung kann zu verschiedenen Zeiten stattfinden. Einen Tag vorher hat sich bewährt.  Stunden davor oder auch einen Tag nach der Besamung sind aber auch möglich. Da immer mal ein Mißgeschick mit der Königin passieren kann, ist die die vorgezogene Begasung sinnvoller, zumal die Königin bei dieser Gelegenheit schon gekäfigt wird.

Die zusätzliche Narkose läßt sich in einer durchsichtigen Plastiktüte oder in einem Glas ausführen, wobei gleich mehrere Königinnen in ihren gekennzeichneten Zusetzkäfigen behandelt werden und darin bis zur Besamung verbleiben können. Die Begasung vor der Besamung ist deshalb schon aus diesem Grund vorteilhafter.

Du beachten ist, daß überlange Narkosezeiten von mehr als 10 Minuten die Lebenserwartung der Königinnen herabsetzen kann.

Sperma vom Drohn gewinnen

Die Spermagewinnung stellt von geschlechtsreifen und vitalen Drohnen keine Schwierigkeit dar. Eine Chloroformnarkose, unter der die Drohnen ihr Begattungsorgan ausstülpen, ist nicht mehr üblich. Von reifen Drohnen kann nämlich das Sperma ohne Hilfsmittel von Hand  gewonnen werden. Das geschieht durch Rollen und Drücken der Brust und des Drohnenhinterleibes. Die Anwendung von Gewalt ist überhaupt nicht notwendig. Der Hinterleib wird durch seitliches Zusammendrücken mehrfach leicht angedrückt. Der reife und stimulierfähige Drohn reagiert sofort und stülpt sein Geschlechtsteil mit beiden Hörnchen aus, ohne dabei Zwang anwenden zu müssen. Dabei wird der Hinterleib fühlbar hart. Mit dem Ausstülpen tritt wie bei der natürlichen Paarung der sofortige Tod ein. Lebenswichtige Nervenbahnen zerreißen. Unreife Drohnen, die keine Reaktion zeigen,  sind freizulassen. Halbreife Drohen zu verbrauchen macht wenig Sinn und bringt im Ergebnis wenig oder nichts.

Wenn der Drohn die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat, kann mit dem vollständigen Ausdrücken begonnen werden. Zuletzt ganz langsam vorgehen und sehen, daß nach Möglichkeit die gewünschte kleine Spermalkugel hervorquillt.

Drohnensperma gewinnen

Sperma vom Drohn gewinnen

Reifes Drohnensperma ist gelb-bräunlich gefärbt, weist eine deutliche Marmorierung auf und ist ohne Verklumpungen durchweg flüssig. Die Spermagewinnung erfolgt unter Mikroskopbetrachtung. Eine 10fache Vergrößerung ist gut geeignet. Die Betrachtung muß während des Spermaaufsaugens mit beiden Augen erfolgen. Das ist nur mit dem Stereomikroskop möglich.

Spritzenfüllung mit Salzlösung

Verwendung findet in der Regel die SCHLEY-Kolbenspritze. Die alte Membranspritze wird wegen ihrer geringen Füllmenge von mir nicht mehr empfohlen. In Betracht kommt noch die Spritze nach HARBO.

Der keimfreie Spritzenzylinder wird mit steriler spermaverträglicher Salzlösung, die auch als Verdünnerlösung bezeichnet wird, gefüllt. Hierfür ist  isotonische (physiologische) Kochsalzlösung gut geeignet (= 9 g Kochsalz/ Liter destilliertes Wasser, in Glasampullen oder Flaschen in Apotheken erhältlich). Man kann sich eine solche isotonische Lösung auch selbst anfertigen: 100 ml abgekochtes destilliertes Wasser, 1,0 g Kochsalz und 0,25 g Breitband-Antibiotikumzusatz. Geeignet ist auch RINGER-Lösung, die noch ausgewogener als reine isotonische Kochsalzlösung zusammengesetzt ist. Gut bewährt haben sich auch Verdünner aus der Schweinebesamung, die als Pulver zum Verkauf kommen (mit begrenzter Haltbarkeit, in kleinen Mengen nicht so leicht zu bekommen).
Wenn die Lösungen mehrere Tage aufbewahrt wurden ist es sinnvoll, zur Sicherheit ein Einweg-Bakterienfilter (0,2 µm) vorzuschalten. Die Vorbereitung der Spritze und ihre einwandfreie Funktion ist sehr wichtig. Hierzu gibt es auch eine spezielle Bedienungsanleitung. Im folgenden Video wird die Handhabung gezeigt, siehe an der Stelle 1:40 min: “Künstliche Besamung“.

Das Sperma gelangt nur in die Besamungskanüle, nicht in den Spritzenzylinder. Die Salzlösung bzw. Verdünnerlösung in der Spritze hat nur die Aufgabe, als Hydraulik-Medium zu fungieren! Die übliche Bezeichnung “Spermaverdünner” ist eigentlich irreführend, denn das Bienensperma wird in der üblichen Praxis nicht verdünnt. Es wird mit unverdünntem Sperma gearbeitet, das sich auch einige Tage ohne weiteres aufbewahren läßt.

Für die sogenannte Spermamischtechnik, wo aus züchterischen Gründen viele Spermaportionen vermischt werden (gleiche Vaterseite für viele Königinnen), kommen dagegen ganz spezielle Verdünner mit komplizierter Zusammensetzung und besonderen Zusätzen zur Anwendung. In diesem Falle wird das Sperma in der Tat verdünnt. Die Beschaffung oder Herstellung erweist sich oft als schwierig. Wenn mit unverdünntem Sperma am gleichen oder darauf folgenden Tag besamt wird ist das aber nicht notwendig und eine Verdünnung bringt in diesem Falle trotz ausreichend vorhandener Spermien keinen Vorteil. Wer sich mit dem Thema  Spermaverdünnung und darüber hinaus mit der Biologie des Spermas intensiver beschäftigen möchte, dem sei die Doktorarbeit von Wiebke Kainer empfohlen.

Besamungskanüle an Spritze anbringen

Die Quetschdichtung von ca. 5 mm Länge wird schon vor der Sterilisation auf die stumpfe Seite der Besamungskanüle aufgeschoben. Sie dichtet den Übergang Besamungskanüle zum Spritzenzylinder ab. Es handelt sich um ein kurzes Siliconschlauchstück, das selbst zugeschnitten wird. Wichtig ist, daß die Quetschdichtung nicht zu kurz geschnitten wird und gut abdichtet, denn sonst gelangt Luft in das System. Nach Füllung des Spritzenzylinders wird die Besamungskanüle mit der Quetschdichtung am Spritzengehäuse befestigt. Man schiebt die Quetschdichtung so weit auf das Röhrchen, daß etwa 1 mm vom Glasröhrchen überstehen. Wenn die Kante vorher auf feinem Schleifpapier gerieben wird und die Dichtung innen etwas angefeuchtet wird, geht das Aufschieben leichter. Die Besamungskanüle sehr kurz anfassen, sonst zerbricht das dünne Glasröhrchen! Die Besamungskanüle wird also durch die Spritzenmuffe gesteckt und diese am Spritzengehäuse angeschraubt. Die Funktionstüchtigkeit des hydraulischen Systems der Spritze läßt sich nach der Montage leicht kontrollieren. Bei gefüllter Spritze und befestigter Besamungskanüle muß die Flüssigkeitssäule in der ausgezogenen Spitze in jeder Stellung anzuhalten sein und auf jede Bewegung des Drehknopfes exakt reagieren und nicht “springen”. Die einwandfreie Beschaffenheit der Kanülenmündung wird bei dieser Gelegenheit auch überprüft.

Zur Beachtung: alle Teile, die mit Sperma im engeren und weiteren Sinne in Berührung kommen, müssen sauber und keimfrei sein. Zur Sterilisation wird ein Haushalts-Dampfkochtopf empfohlen (20 Minuten auf hoher Stufe). Zu behandeln sind insbesonder die  Besamungskanülen mit Quetschdichtung und die Gewindespindel mit Kolben. Acrylglasteile (z.B. Einlauf- und Halteröhrchen) vertragen keine Hitzebehandlung. Sie werden nur gewaschen. Sie dürfen auch nicht mit Alkohol oder Lösungsmitteln in Berührung kommen.

Sperma aufziehen

Die als Verdünnerlösung bezeichnete Salzlösung wird zuerst bis zur äußersten Spitze vorgedrückt. Vor Beginn der ersten Spermaaufnahme wird dann die Lösung in der Glaskanüle aus dem spitz ausgezogenen Teil bis zum normalen Schaftdurchmesser wieder etwas hochgezogen. Zwischen Lösung und dem aufzunehmenden Sperma wird ein kleiner Luftzwischenraum von 2 – 3 mm belassen, damit das Sperma nicht unnötig verdünnt wird. Es soll eine in sich zusammenhängende unverdünnte Spermasäule entstehen, die nur in der Glaskanüle aufgebaut wird.

Optik und Licht werden so eingestellt, daß die Kanülenmündung für beide Augen optimal im Bild ist. Zu berücksichtigen ist, daß die intensive helle Beleuchtung das Sperma schädigen kann. Deshalb ist der Lichtkegel entsprechend einzustellen und die Spermasäule nach Möglichkeit vor zu intensiver Belichtung zu schützen. Unnötig lange Belichtungen – z.B. während Arbeitspausen – sind zu vermeiden.

Der Drohn wird mit dem ausgestülpten Penis in der linken Hand gehalten und mit seinem Sperma in die Nähe der Kanülenmündung gebracht. Von nun ab erfolgt die weitere Handhabung unter optischer Kontrolle. Während der Bedienung der Spritze wird der Ellenbogen abgestützt. Die 1. Portion muß reichhaltig sein, sonst findet man keinen Anfang und benetzt nur die Glasinnenwand (vor das Sperma ganz wenig Verdünnerlösung in den dünn ausgezogenen Teile der Kanüle zu geben erleichtert den Anfang. Angesichts der geringen Menge ist der negative Einfluß zu vernachlässigen). Vor jeder neuen Aufnahme wird das bereits gesammelte und etwas hochgezogene Sperma wieder an die äußerste Spitze vorgeschoben, sonst bilden sich sehr schnell Luftblasen und wir erhalten keine zusammenhängende Spermasäule. Luftblasen wirken sich federnd aus. Die Spritze reagiert dann nicht mehr so gut.

In die Spermakugel wird nicht hineingestochen. Reifes Sperma läßt sich von der Oberfläche leicht absaugen. Das Hereinfließen in die Kanüle läßt sich gut beobachten. Hierfür ist kein besonderer Sog der Spritze erforderlich. Reifes Sperma ist durchweg flüssig und läßt sich gut aufnehmen. Beim Ansaugen von Schleimanteilen wird der Fluß unterbrochen. Sofort wird versucht, den Schleimpfropf wieder heraus zu bekommen. Bei Pausen ist das aufgenommene Sperma immer ein paar Millimeter hochzuziehen, denn es trocknet an der Kanülenmündung in wenigen Sekunden an und verstopft die Öffnung.

Wichtig: Der Arbeitsplatz ist sauber zu halten, und die Hände werden wiederholt gewaschen!


Die Spermagewinnung ist schwieriger als die Spermainjektion. Zum einen muß schnell entschieden werden, ob sich die Aufnahme überhaupt lohnt und zum anderen verstopft die Kanülenmündung nach kurzer Zeit und es ist oft schwierig, sie wieder frei zu bekommen. Das Sperma darf nicht unten an der Mündung stehen bleiben, weil es wie gesagt sehr schnell antrocknet und sich nicht mehr bewegen läßt. Hier hilft das mit steriler Verdünnerlösung benetzte Wattestäbchen. Die Kanülenmündung muß sauber bleiben und wird gegebenenfalls während der Spermaaufnahme damit regelrecht gewaschen. Die Spermasäule wird dabei hochgezogen. Man kann diesen Vorgang je nach Bedarf wiederholen.
Zwischendurch wird die Spermasäule immer mal bewegt. Damit die Wattestäbchen griffbereit sind, wird ein Holzklötzchen als Ablage benutzt. Auf die schwarze Seite kommen die schon benutzten.

Vor jeder weiteren Spermaaufnahme wird jedes mal das bereits gesammelte Sperma in der Glaskanüle durch Drehen am Drehknopf der Spritze wieder nach vorn geschoben, so daß in der aufzubauenden Spermasäule keine Lufteinschlüsse entstehen. Insgesamt werden 8 µl (8 mm3) Sperma in die Glaskanüle aufgezogen (nimmt 10 mm Länge in der Besamungskanüle oberhalb der ausgezogenen Spitze in Anspruch und wird mit Hilfe eines Meßstreifens oder der Spindelumdrehung kontrolliert. Zur Sicherheit gibt man noch 2 mm dazu). Diese Menge hat sich in der Praxis bei einmaliger Besamung als ausreichend für eine Königin erwiesen. Der schwarze Ring an der Glaskanüle hat keine Bedeutung. Er stammt noch von der ursprünglichen Markierung der Einwegpipette 50 µl mit grüner Kennzeichnung, aus der die Besamungskanülen Art.-Nr. 5.00 hergestellt werden.  Für eine Spermaportion sind 5 Minuten Zeitaufwand einzuplanen. Der eigentliche Besamungsvorgang läuft meistens viel schneller ab.

Bienenkönigin in das Halteröhrchen

Zuvor wird der Königin die Gelegenheit zum Abkoten gegeben (an der Fensterscheibe, im Flugrahmen oder Flugkäfig). Zunächst kommt die Königin in das zylindrische Einlaufröhrchen. Man ergreift die Königin am besten in Brusthöhe mit Daumen und Zeigefinger und dirigiert sie in das Einlaufröhrchen. Am Ende des Einlaufröhrchens befindet sich nur eine kleine Öffnung. Wenn die Königin spürt, daß sie nicht weiter kann, will sie auf jeden Fall aus dieser mißlichen Lage heraus, kriecht rückwärts zurück und gelangt auf diese Weise in das vorgehaltene Halteröhrchen, das auf den Königinnenhalter paßt. Durch Hineinpusten läßt sich dieser Vorgang beschleunigen.

Am Halteröhrchen befinden sich oben kleine Entlüftungsbohrungen. Diese sollen verhindern, daß die Königin keinen hohen Kohlensäuregasdruck ausgesetzt ist. Deshalb ist auch nicht erforderlich, daß das Röhrchen ganz dicht abschließt.

Königin an den Königinnenhalter

Das Halteröhrchen mit Königin wird sogleich auf den Königinnenhalter geschoben. Falls die Königin zu tief im Röhrchen steckt und festsitzt, wird das Röhrchen wieder abgezogen, in den Mund genommen und die Königin in die gewünschte Position hochgepustet.  3-4 Hinterleibsringe sollen herausragen. Falls die Königin versucht rückwärts aus dem Röhrchen herauszukriechen, so verhindert man das, indem man den Zeigefinger draufhält und abwartet, bis die Narkosewirkung voll einsetzt.
Anfänglich bewegt die Königin noch stark den Hinterleib, wird dann aber durch das Kohlensäuregas zusehends ruhiger und schließlich bewegungslos.
Sollte die Königin im Halteröhrchen während der Narkose unerwartet abkoten, so ist der Vorgang abzubrechen. Am darauf folgenden Tag wird die Prozedur wiederholt.

Stachelkammer der Königin öffnen

Die gespreizten letzten Hinterleibsringe legen einen Hohlraum frei, der im folgenden als Stachelkammer bezeichnet wird. Die Öffnung des Hinterleibes bzw. der Stachelkammer und die Ausrichtung des auskleidenden Gewebes einschließlich des Stachelorgans mit Hilfe von speziellen Häkchen oder Greifinstrumenten in die richtige Richtung stellen eine wichtige Voraussetzung für die problemlose Einführung der Besamungskanüle dar. Wie bei der Spermagewinnung ist die Manipulation nur unter dem Stereomikroskop möglich. Üblich ist eine 10-15fache Vergrößerung. Bei stärkerer Vergrößerung wird die Tiefenschärfe verringert und die Übersicht wird erschwert.

Das Röhrchen ist so zu drehen, daß die Rückenlinie der Königin und somit auch die Stachelregion sich vom Besamer aus betrachtet rechts befinden und die Stachelkammer in dieser Position mit Hilfe der Häkchen gespreizt wird. Diese Vorgehensweise ist international üblich, obwohl die natürliche Begattung eher umgekehrt abläuft und auch andere Positionen möglich sind. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, daß unter der erzeugten größeren Gewebespannung das korrekte Eindringen der Kanüle besser zu verfolgen ist, wenn sich der Rücken rechts befindet.

Bei geschlossener Stachelkammer wird man bemüht sein, zuerst das linke Häkchen einzuhängen. Das geht eigentlich leicht, denn die Bauchschuppe weist am äußersten Ende eine Einkerbung auf, so daß man hier schon einen idealen Ansatzpunkt vorfindet. Danach kann das linke Häkchen auch quer stellen und den Stachel in eine günstige Lage bringen, um ihn zu ergreifen. Auch mit dem Lochhaken oder dem Stachelgreifer kann gleichzeitig hantiert werden, ebenso mit einer Pinzette. Die Zuhilfenahme einer feinfühligen spitzen Pinzette kann sehr hilfreich sein. Egal wie vorgegangen wird, der Stachel muß auf jeden Fall freiliegen! Mitunter streckt die Königin zu Beginn der Narkose ihren Stachel von sich aus weit vor, so daß er gleich ergriffen werden kann, wenn man darauf vorbereitet ist. Die rechte Hand befindet sich in der Regel am Häkchenhaltergriff rechts vom Kugelgelenk. Direktes Dirigieren mit den Fingern in Häkchennähe ist nicht erforderlich. Wer mit der mitgelieferten Handsonde nicht so gut zurecht kommt, sollte es mit der spitzen Uhrmacherpinzette (gerade Ausführung, Spitze 0,1 mm) versuchen.

Die Lochhakenmethode wurde von mir entwickelt. Sie führte im Vergleich zum alten Löffelhaken zu einer wesentlichen Erleichterung. Verspannungen werden vermieden. Inzwischen wird dieses Prinzip weltweit angewendet. Wenn alles stimmt, ist es eine Angelegenheit von nur einigen Sekunden. Bei Benutzung des Stachelgreifers ist diese Prozedur noch einfacher. Man erfaßt also den Stachelschaft ohne die anliegenden Hautlappen und zieht diesen nach oben hin weg. Hier kann nichts wegrutschen, und die Geschlechtsöffnung ist zugänglich. Die Hand kann auch mal losgelassen werden. Der Klemmdruck läßt sich einstellen.

Um den Hinterleib der Königin nicht zu überdehnen, muß mit dem linken Dorsalhaken nachgeschoben werden (siehe Grafik).

Bienenkönigin

Vorgehensweise beim Öffnen der Stachelkammer
Wichtig ist das Nachschieben mit dem linken Haken!
Der Hinterleib muß in Richtung Besamungskanüle zeigen, sonst stößt man mit der Kanüle an den Haken.
Gearbeitet wird hier noch mit dem alten SCHLEY-Lochhaken (mit Nachfolgehaken oder dem Stachelgreifer wird genauso verfahren).

Zu beachten ist wie schon gesagt, daß der Hinterleib der Königin genügend aus dem Röhrchen herausragt (3-4 Hinterleibsringe) und nicht eingeengt wird. Das ist ein wichtiger Punkt, der von Anfängern zu wenig beachtet wird. Das Gewebe ist so weich und dehnbar, daß so schnell keine Verletzungsgefahr droht. Weiter unten können Sie Videos aufrufen und sich alles im Film ansehen.

Stachelkammer

Blick in die geöffnete Stachelkammer der Bienenkönigin
Der Stachel wird mit dem Lochhaken (hier im Bild altes Modell) oder dem Stachelgreifer weg- und hochgezogen. Mit dem neuen Lochhakenmodell 1.21 wird genauso verfahren. Die Stachelspitze befindet sich über den äußeren Rand der gespreizten Stachelkammer! Links wird der Ventralhaken als Gegenpol eingehängt (oder die Ventralklemme 1.06 benutzt).

Die richtig geöffnete Stachelkammer bietet dem Betrachter unter der Vergrößerung ein Bild runzeliger Haut mit kleinen Hautfalten. Verspannungen sind dann auf dem Grund nicht zu beobachten. Das Gewebe zeigt sich locker. Die Geschlechtsöffnung liegt genau auf der Verbindungslinie zwischen beiden Häkchen. Wenn die Stachelregion mit Hilfe des Lochhakens oder Stachgreifers angehoben wird, ist die Vaginalöffnung aber nicht zu übersehen. Sie ist aber nicht so deutlich erkennbar wie oben in der Zeichnung. Für den Anfänger ist es sehr wichtig, diesen Arbeitsgang vorschriftsmäßig auszuführen. Bei Verwendung des Stachelgreifers darf dieser auch nicht so hart eingestellt werden, damit der Stachel nicht zerquetscht oder bei einer unbeabsichtigten Bewegung abgerissen wird.

Drohnensperma einführen

Wird die Stachelregion während der Öffnung der Stachelkammer also angehoben und in Richtung Spritzenblock hochgezogen, so verschwinden auch störende Falten und stellen für die Besamung keine Gefahr mehr dar.

Beim Heranführen der spermagefüllten Besamungskanüle zielt die Kanülenmündung in die Scheidenöffnung, wobei man sich zu Beginn so weit wie möglich rechts orientiert. Triebknopf  und die Stellschraube für die Neigungseinstellung werden gleichzeitig bedient, denn bei der Linksbewegung der Besamungskanüle wird diese konstruktionsbedingt automatisch etwas angehoben. Es wird deshalb etwas gegengesteuert. Königinnenhalter und  Spritze sind möglichst steil einzustellen, wobei die Spritze zusätzlich etwas geneigt werden darf.

Die Kanüle wird ca. 0,5 mm einführt  und dann um etwa 0,3 mm (Spitzendurchmesser) nach links bewegt, praktisch eine Zickzack-Bewegung. In dieser Position kann probehalber getestet werden. In der richtigen Position läßt sich nämlich die Glaskanüle problemlos nochmals 0,5 mm in den Geschlechtsweg ohne merklichen Widerstand einführen. Wenn das nicht geht – störende Hautfalten oder ungeeignete Besamungskanülen können der Grund sein -, so wird der Vorgang wiederholt und ganz von vorn wieder angefangen.

Wichtig ist  die optimale Beschaffenheit der polierten Kanülenmündung. Sie darf nicht scharfkantig oder zu dünnwandig sein. Der Außendurchmesser beträgt vorn 0,25 – 0,30 mm.

Ist die richtige Stelle gefunden, wird das Sperma in einer Tiefe von 1 mm eingespritzt (aber nicht tiefer, was zu Verletzungen führen wird). Auf keinen Fall darf das Sperma schon zu Beginn der Spermaeingabe aus der Scheidenöffnung hervorquellen. In diesem Fall war das Einführen der Kanüle mißlungen!

Es sei erwähnt, daß der oben geschilderte Vorgang des Stachelgreifens sich auch mit einer feinfühligen spitzen Pinzette freihändig ausführen läßt. Das erfordert aber eine sehr ruhige Hand und besonderes Geschick. Während der Spermainjektion muß der Stachel bei dieser Methode von Hand festgehalten werden. Diese Vorgehensweise wird als “flexible Methode” propagiert.  Die eingesparten Teile fallen bei hochwertig verarbeiteten Instrumenten angesichts des recht hohen Aufwandes aber nicht so stark ins Gewicht. Die teuersten Komponenten bleiben unverzichtbar. Einige Anfänger aus meinen Kursen hatten sogar den Wunsch, zusätzlich ein drittes Kugelgelenk frontal zu bedienen, um die Stachelkammer auch von der rechten Seite her zu fixieren und sich ganz auf den Stachel und der Einführung der Kanüle konzentrieren zu können.

Nach der Besamung der Bienenkönigin

-  Nicht zu vergessen ist die Demontage der Besamungskanüle. Sie wird in eine Petrischale mit Seifenlösung gelegt, denn die Spermareste trocknen sonst an und sind später nicht so leicht zu entfernen -

Die besamte Königin kommt nach dem Aufwachen zurück in ihr Völkchen. Wer ganz sicher gehen will, hält sie anfangs noch unter Verschluß mit etwas Futterteig oder wird sie erst freilassen, wenn ansitzende Bienen Kontakt suchen und sterzeln. Möglich ist aber auch das direkte Zusetzen in noch betäubten Zustand. Die Königin kann dabei auf einen Papierstreifen gebettet werden, der oben auf die Rähmchenleisten gelegt wird. Diese schnelle Zusetzmethode aus der Lohnbesamung hat sich bewährt, wenn keine längeren Pausen entstehen und die Bienengemeinschaft 100%ig auf die junge Königin eingestimmt ist.

Das Füllen der Samenblase ist das Ergebnis aktiver Mitwirkung seitens der Königin wie auch passiver Vorgänge, was länger als einen Tag in Anspruch nimmt. Da die Spermieneinwanderung in die Samenblase stark von Umgebungsbedingungen beeinflußt wird, ist es wichtig, daß die Bienenkönigin nach der Besamung nicht verkühlt und sich in ihrer Bienengemeinschaft frei bewegen kann. Wenn sie mit wenigen Begleitbienen eingesperrt bleibt, haben die Bienen keine Möglichkeit, ihre Königin intensiv in Pflege zu nehmen. Verklebte und Verhärtete Spermareste in der Vaginalöffnung können zu Problemen führen. Auf keinen Fall dürfen die besamten Königinnen längere Zeit sich selbst überlassen bleiben. Nur in ihrer funktionsfähigen Bienengemeinschaft werden sie sich wohl fühlen und entsprechend gut entwickeln können! In dieser Hinsicht sind sie anspruchsvoller als natürlich begattete Königinnen.

Es soll vorkommen, daß besamte Königinnen noch Begattungsflüge unternehmen wollen. Deshalb bleibt das Absperrgitter vor dem Flugloch. Die besamten Königinnen sind auch so lange in ihrem angestammten Völkchen zu belassen, bis ihre eigene Arbeiterinnenbrut ausschlüpft. Erst danach sind sie in einen Kunstschwarm oder Ableger fachgerecht einzuweiseln. Hierbei ist mit größter Behutsamkeit und Sachkenntnis vorzugehen. In Ertragsvölker kommen instrumentell besamte Königinnen erst nach ihrem 3. Brutsatz.

Wenn die Königin im Ausnahmefall frisch besamt ohne Volk neu eingeweiselt werden soll und man sicher gehen möchte, daß sie keinen Schaden nimmt, dann kann wie folgt vorgegangen werden: Es wird ein Ableger mit reichlich Bienen vorbereitet, dem die Brutwaben und die Königin entnommen werden. Nur eine Wabe mit Eier und offener Brut bleibt darin. Ein reichlicher Vorrat an Futterteig sollte nicht fehlen. Sobald das Volk sich weisellos fühlt, wird die besamte Königin mit vielen jungen Begleitbienen in einem nicht zu kleinen Zusatzkäfig oben auf die Waben gelegt. Es wird abgewartet, ob Nachschaffungszellen entstehen. Wenn ja, dann werden diese entfernt. Erst danach kann die künstlich besamte Königin freigelassen werden. Das Einnebeln der Waben mit Zuckerwasser soll sich positiv auswirken. Zum Thema “Königin zusetzen” finden Sie auch noch eine ergänzende PDF-Datei in “Weiterführende Infos und Anleitungen”.

Die technische Durchführung der Besamung von Bienenköniginnen ist kein Problem mehr! Erwartet wird, daß die künstlich besamten den natürlich begatteten Königinnen hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit nicht nachstehen. Bei fachgerechter Handhabung und natürlichem Umfeld ist das nachweislich der Fall.

Zusammenfassung

  1. Gerätschaft aufgebaut und überprüft, sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen und vorangegangene Begasung der Königin ausgeführt, Spritze funktionsfähig.
  2. Sperma in Kanüle aufziehen.
  3. Königin ruhig stellen, Stachelkammer öffnen und Besamung ausführen (Die Besamung kann auch am darauf folgenden Tag ausgeführt werden).
  4. Königin schnell ins Völkchen zurückbringen und bis zum Schlüpfen ihrer eigenen Brut darin belassen. Absperrgitter nicht entfernen. Arbeitsplatz aufräumen und Spritze bzw. Besamungskanüle reinigen.
  5. Die am häufigsten beobachteten Fehler beim Anfänger: Königin sitzt zu tief, ihr Hinterleib wird zusammengedrückt, die Stachelkammer ist nicht weit genug gespreizt und zeigt nicht in Richtung Besamungskanüle. Der Dorsalhaken (Lochhaken oder Stachelgreifer) befindet sich nicht über dem Rand der Stachelkammer.

Videoaufzeichnungen zur Unterstützung

Sperma gewinnen” und “Einführung der Besamungskanüle” stellen zwei Schwerpunkte dar. Diese Videos sollen meine Ausführungen begleiten. Unser alter Videofilm vom Institut Wiss. Film ist in gekürzter Fassung unter folgender Adresse abrufbar: “Künstliche Besamung” und wurde auch in russischer Fassung bearbeitet und ins Netz gestellt: “IWF-Film Besamung“. Gearbeitet wurde mit dem Modell 1.01, das ein breiteres Fußgestell hatte. Hier kam noch die Waschflasche zur Kontrolle der Narkose zum Einsatz. Mein Lochhaken wird jetzt aus einer speziellen Stahlkanüle hergestellt und nicht mehr aus Neusilberdraht. In diesem Film wird auch die sogenannte Spermamischtechnik demonstriert. Diese Methode ist aufwendig und hat deshalb noch keinen Eingang in die imkerliche Praxis gefunden, obwohl daran weiter gearbeitet wird. Die verwendeten Hilfsmittel und Pufferlösungen erfordern spezielle Laboreinrichtungen.

Im englischsprachigen Teil dieser Homepage sind an gleicher Stelle auch drei Videos von Susan Cobey abzurufen. Susan arbeitet in den ersten beiden Filmen mit dem Vorgängermodell 1.01 und meinem alten Lochhaken. Im dritten Video (Artificial Insemination of Queen Bees) ist das Model 1.02 mit dem Stachelgreifer zu sehen.

Inzwischen liegt auch ein Video aus Chile vor. Als Besamungsgerät wird das Model 1.02 mit Stachelgreifer benutzt. Vorgeführt wird die Arbeitsweise der Original-HARBO-Spritze. Besprochen wurde der Film in Spanisch.

 

 

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